Wellness

Sauna-Knigge: Regeln, Nacktheit und Aufguss im Wellnesshotel

Nackt oder mit Badehose, Handtuch umbinden oder unterlegen, sitzen bleiben beim Aufguss? Was in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol in der Hotelsauna gilt.

von Michael Würz, Geschäftsführer & Digital Strategist23. September 20269 Min. Lesezeit
Holzsauna mit offener Tür, Blick über einen Steg auf einen See im Abendlicht

Auf einen Blick

  • Ein Gesetz zur Nacktheit gibt es nicht, es gilt die Spa-Ordnung des Hauses.
  • Deutschland, Österreich, Deutschschweiz und Südtirol saunieren textilfrei, Romandie und übriges Italien eher mit Badekleidung.
  • Das Handtuch gehört immer unter den ganzen Körper, auch unter die Füße.
  • Ein Saunagang dauert 8 bis 15 Minuten, drei Gänge gelten als optimal.
  • Beim Aufguss kommt nach Beginn niemand mehr hinein, hinausgehen ist jederzeit erlaubt.
  • Bei Infekten, Fieber oder nach Alkohol aussetzen, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in der Schwangerschaft vorher ärztlich abklären.

Wer zum ersten Mal in ein Wellnesshotel fährt, hat meist dieselben Fragen: Muss ich nackt in die Sauna? Darf ich ein Handtuch umbinden? Und was passiert eigentlich beim Aufguss? Die Antworten hängen stärker vom Land ab, als viele denken. In Deutschland ist textilfreies Saunieren Standard, in der Romandie und im übrigen Italien trägt man eher Badekleidung, und Südtirol liegt kulturell genau dazwischen. Dieser Knigge fasst zusammen, was in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol gilt, und worauf Sie im Hotel-Spa achten sollten.

Nackt oder mit Badekleidung? Das gilt in den vier Ländern

Vorweg: Ein Gesetz, das Nacktheit in der Sauna vorschreibt, gibt es in keinem der vier Länder. Es gilt die Haus- und Saunaordnung des Betreibers. Hält man sich nicht daran, darf das Haus einen Gast des Bereichs verweisen, wie ein Rechtsanwalt gegenüber Travelbook erklärt. Maßgeblich ist also immer das Schild am Eingang.

Deutschland: textilfrei ist der Standard

Der Deutsche Sauna-Bund macht die „textilfreie Nutzung aller Schwitz- und Badeeinrichtungen im Saunabereich“ sogar zur Voraussetzung für seine Qualitätszeichen (DSB-Verbraucherinformationen). Gemischte Saunen sind die Regel, getrennt sind meist nur die Umkleiden. Gleichzeitig wächst das Angebot an Textilsaunen: Einzelne Thermen bieten sie inzwischen an festen Tagen an, und der Sauna-Bund hat das Thema „Textiles Saunabaden“ auf seine Jahrestagung gesetzt.

Österreich: wie in Deutschland, oft noch strenger formuliert

In Österreich gilt dieselbe Norm. Die Therme Wien schreibt etwa: „Das Tragen von Badekleidung ist in der Sauna nicht erlaubt“, bietet dafür aber eine eigene Damensauna an (Therme Wien). Vor allem in Tirol und in Familienthermen kommen Familien- und Textilsaunen hinzu.

Schweiz: der Röstigraben verläuft auch durch die Sauna

In der Schweiz entscheidet die Region. Laut einer repräsentativen Umfrage von gfs.bern aus dem Jahr 2025 saunieren in der Deutschschweiz 60 Prozent lieber nackt, in der Romandie nur 13 Prozent (20 Minuten). Viele Resorts in Graubünden und der Westschweiz führen deshalb eigene Textilsaunen. In Hotels mit internationalem Publikum lohnt ein Blick in die Spa-Regeln vor der Anreise.

Südtirol und Italien: nackt in der Sauna, Badehose im Dampfbad

Im übrigen Italien ist Badekleidung in der Sauna üblich. In Südtirol gilt dagegen die deutschsprachige Tradition: „In die Sauna geht man auch in Südtirol prinzipiell nackt“ (suedtirol.com). Viele Hotels lösen den Unterschied pragmatisch: Die finnische Sauna ist als textilfreier Bereich beschildert, Biosauna, Dampfbad oder eine eigene Familiensauna dürfen mit Badekleidung genutzt werden. Ein Hotel in Naturns beschreibt genau diese Aufteilung für seine Gäste aus Deutschland und Italien (Feldhof).

Unsicher? Fragen Sie beim Check-in an der Rezeption oder im Spa nach, welche Saunen textilfrei sind und wo Badekleidung erlaubt ist. Das ist in Südtirol und der Schweiz eine völlig normale Frage.

Passende Häuser finden Sie in unseren Übersichten für Südtirol, Österreich, die Schweiz und Deutschland.

Das Handtuch: die wichtigste Regel in jeder Sauna

Eine Regel gilt überall, egal ob textilfrei oder nicht: Das Handtuch kommt unter den ganzen Körper, inklusive der Füße. Der Deutsche Sauna-Bund begründet das schlicht: „auf die Saunabänke sollte kein Schweiß tropfen“ (DSB, Zehn Goldene Regeln).

  • Liegetuch: groß genug, dass Sie liegend komplett darauf Platz haben.
  • Handtuch um den Körper: In vielen Häusern geduldet, in manchen textilfreien Bereichen, vor allem im Dampfbad, nicht. Im Zweifel an der Beschilderung orientieren.
  • Bademantel: für die Wege im Spa und im Ruhebereich, in vielen Häusern dort sogar Pflicht. In die Saunakabine gehört er nicht.
  • Badeschuhe: bis vor die Kabinentür, drinnen barfuß.

In Hotels liegen Bademantel und Saunatücher meist auf dem Zimmer bereit. Nehmen Sie trotzdem ein zweites großes Tuch mit: eines zum Unterlegen, eines zum Abtrocknen und Einkuscheln danach.

So läuft ein Saunagang richtig ab

Der Deutsche Sauna-Bund und die Krankenkassen beschreiben denselben Ablauf. Wichtiger als die Uhr ist laut Sauna-Bund aber das eigene Körpergefühl.

  1. Duschen und gründlich abtrocknen. Trockene Haut schwitzt schneller.
  2. Ein warmes Fußbad vor dem ersten Gang fördert das Schwitzen.
  3. 8 bis 15 Minuten schwitzen, am besten liegend. Auf den unteren Bänken ist es deutlich kühler, dort fangen Einsteigerinnen und Einsteiger gut an.
  4. Die letzten zwei Minuten aufsetzen, damit sich der Kreislauf an die aufrechte Haltung gewöhnt.
  5. Abkühlen: zuerst an die frische Luft, dann kaltes Wasser. Dabei herzfern beginnen, also erst Beine und Arme, dann der Körper. Vor dem Tauchbecken kurz abduschen.
  6. Warmes Fußbad und Ruhe: mindestens so lange ruhen, wie der Saunagang gedauert hat.

Drei Gänge sind laut Sauna-Bund optimal, mehr bringen keine zusätzliche Wirkung. Planen Sie insgesamt mindestens zwei Stunden ein. Trinken Sie vor und nach den Gängen ausreichend Wasser, die AOK nennt mindestens einen halben Liter vorher und nachher. Alkohol gehört nicht in den Saunatag. Gehen Sie weder hungrig noch mit vollem Magen in die Sauna.

Mehr zu den einzelnen Stationen erklärt unser Lexikon: Sauna, Dampfbad und Kneipp-Anwendung.

Aufguss-Etikette: pünktlich, still, sitzen bleiben

Der Aufguss ist der Höhepunkt vieler Saunatage. In größeren Hotel-Spas hängt ein Aufgussplan aus, gegossen und gewedelt wird von einer Saunameisterin oder einem Saunameister. Einige Regeln sind dabei selbstverständlich:

  • Rechtzeitig da sein. Wer nach Beginn kommt, bleibt draußen. Die Tür bleibt während des Aufgusses zu.
  • Ruhe halten. Gespräche stören die Zeremonie.
  • Nicht selbst aufgießen, wenn es einen Saunameister gibt. In kleinen Hotelsaunen ohne Personal ist ein eigener Aufguss oft üblich, dann aber nur nach kurzer Rückfrage bei den anderen Gästen.
  • Wird es zu heiß, auf eine untere Bank wechseln oder die Kabine verlassen. Hinausgehen ist aus Sicherheitsgründen jederzeit in Ordnung, am besten in der Pause zwischen zwei Runden.

Viele Häuser bieten inzwischen Themenaufgüsse an, etwa mit Klangschalen, Räucherwerk oder Eiskugeln aus ätherischen Ölen. Was genau dahintersteckt, lesen Sie in unserem Lexikonartikel zum Saunaaufguss.

Im Ruhebereich: leise, ohne Handy, ohne Liegenreservierung

  • Ruhe bedeutet Ruhe. Telefonieren und laute Gespräche sind in Ruhebereichen unerwünscht, viele Häuser verbieten Handys im Spa ganz, auch zum Schutz der Privatsphäre.
  • Keine Liegen reservieren. Ein Handtuch auf Vorrat ist in vielen Hausordnungen ausdrücklich verboten, das Personal darf solche Liegen abräumen. Belegen Sie eine Liege nur für die Zeit, in der Sie sie wirklich nutzen.
  • Bademantel an. In Ruhe- und Gastrobereichen ist Bedeckung üblich.

Kinder, Damensauna und Textilsauna: was Hotels anbieten

Viele Wellnesshotels lassen Kinder erst ab 14 oder 16 Jahren in die Saunawelt, manche führen den ganzen Spa als Erwachsenenbereich. Familienfreundliche Häuser haben dafür eigene Familiensaunen, die in der Regel mit Badekleidung genutzt werden. Wer Ruhe sucht, ist in einem Adults-only-Hotel gut aufgehoben, Familien finden passende Häuser in unserer Auswahl der Wellnesshotels für Familien.

Damensaunen oder feste Damenzeiten gibt es vor allem in größeren Thermen, in Hotels seltener. Wenn Ihnen das wichtig ist, fragen Sie vor der Buchung nach.

Wann Sie lieber aussetzen oder vorher ärztlichen Rat einholen

Für gesunde Erwachsene ist Saunieren gut verträglich. Die Krankenkassen nennen aber klare Ausnahmen. Dieser Abschnitt ersetzt keine ärztliche Beratung.

  • Nicht in die Sauna bei akuten Infekten oder Fieber und nach Alkohol.
  • Vorher ärztlich abklären bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schlecht eingestelltem Bluthochdruck, sehr niedrigem Blutdruck und in der Schwangerschaft. Für Menschen mit Herzerkrankungen gilt ein schlagartiges Abkühlen im Tauchbecken als tabu.
  • Frische Tattoos sollten erst abheilen, bevor Sie wieder saunieren.

Und die oft zitierten Versprechen? Eine große finnische Langzeitstudie fand bei Männern, die häufig saunieren, weniger Herz-Kreislauf-Todesfälle (JAMA Internal Medicine, 2015). Das ist ein statistischer Zusammenhang, kein Beweis. „Entgiften“ oder Abnehmen durch Schwitzen dagegen ist ein Mythos: Was Sie verlieren, ist Wasser, und das trinken Sie danach wieder.

Hotel-Spa oder Therme: was im Hotel anders ist

  • Tücher und Bademantel sind meist inklusive, in Thermen oft nur gegen Leihgebühr.
  • Weniger oder keine betreuten Aufgüsse in kleineren Hotels, dafür ruhigere Saunen und längere Öffnungszeiten für Hausgäste.
  • Altersgrenzen sind in Hotels häufiger und strenger.
  • Regeln stehen in der Spa-Ordnung, die meist im Zimmer oder am Spa-Eingang aushängt. Sie geht jedem allgemeinen Knigge vor.

Wie gut die Saunalandschaft eines Hauses ist, fließt bei uns in den .guide Score ein: Anzahl und Art der Saunen, Aufgüsse und Ruhebereiche gehören zum Bereich Spa und Wellness. Wie wir bewerten, erklärt unsere Methodik.

Häufig gestellte Fragen

  • In Deutschland, Österreich, der Deutschschweiz und Südtirol sind die finnischen Saunen fast immer textilfrei. Ein Gesetz dazu gibt es nicht, es gilt die Spa-Ordnung des Hotels. Viele Häuser bieten zusätzlich eine Textil- oder Familiensauna an, etwa Biosauna oder Dampfbad.

  • Das regelt jedes Haus selbst. Viele dulden ein umgebundenes Handtuch, einige textilfreie Bereiche, vor allem Dampfbäder, nicht. Unverzichtbar ist das Handtuch unter dem ganzen Körper, damit kein Schweiß aufs Holz tropft.

  • In textilfreien Saunen nichts, Sie sitzen oder liegen auf Ihrem Handtuch. Auf dem Weg dorthin tragen Sie Bademantel und Badeschuhe. In Textilsaunen ist saubere Badekleidung oder ein Saunakilt üblich.

  • Der Deutsche Sauna-Bund empfiehlt 8 bis 15 Minuten, je nach Körpergefühl. Einsteigerinnen und Einsteiger beginnen kürzer und auf einer unteren Bank. Danach abkühlen und mindestens genauso lange ruhen.

  • Im Hotel sind Tücher und Bademantel meist inklusive, die Saunen sind ruhiger und oft nur für Hausgäste offen. Betreute Aufgüsse gibt es vor allem in größeren Hotel-Spas, dafür sind Altersgrenzen häufiger. Maßgeblich ist immer die Spa-Ordnung des Hauses.

  • In Ruhebereichen sind Telefonate und laute Gespräche unerwünscht, viele Häuser verbieten Handys im ganzen Spa, auch zum Schutz der Privatsphäre der anderen Gäste. Lassen Sie das Telefon am besten auf dem Zimmer.

  • Ja, in Südtiroler Wellnesshotels gilt in der finnischen Sauna meist die deutschsprachige Tradition: nackt, mit Handtuch als Unterlage. Weil viele Gäste aus Italien Badekleidung gewohnt sind, bieten die meisten Häuser zusätzlich Bereiche an, in denen Badekleidung erlaubt ist.