Wellness

Floating: Schwerelosigkeit auf Rezept?

Auf Rezept gibt es Floating in Deutschland nicht: Die Heilmittel-Richtlinie der Krankenkassen führt es nicht. Kleine Studien zeigen, dass eine Stunde im Salzwasser Angst und Stress kurzfristig senkt und den Blutdruck während der Sitzung drückt. Für Schmerzen und Schlaf gibt es Hinweise, große verblindete Studien fehlen. Als Entspannungsverfahren gilt Floating als gut verträglich.

von Michael Würz, Geschäftsführer & Digital Strategist24. September 20269 Min. Lesezeit
Ruhige, blaue Wasseroberfläche in Nahaufnahme

Auf einen Blick

  • Floating ist in Deutschland keine Kassenleistung: Die Heilmittel-Richtlinie nennt es nicht, Baden in Warmwasserbädern gilt dort als persönliche Lebensführung.
  • Nach einer Stunde im Floatingbecken sank die Angst bei 50 Menschen mit Angststörungen deutlich, gemessen ohne Kontrollgruppe direkt vor und nach der Sitzung.
  • Im Vergleich mit einem Naturfilm sanken während des Floatens Blutdruck und Atemfrequenz, der Puls nur tendenziell.
  • Zwölf Sitzungen in sieben Wochen verbesserten bei 65 Gesunden Stress, Schlafqualität und Schmerz, verglichen mit einer Warteliste.
  • Dass Magnesium aus dem Epsomsalz über die Haut in den Körper gelangt, ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • In unserem Bestand nennen 14 Häuser ein Floatingbecken oder eine Floating-Anwendung, 30 weitere eine trockene Schwebeliege.

Floating verspricht etwas, das sonst nur Astronauten kennen: schwerelos liegen, ohne Licht, ohne Geräusch, ohne Anstrengung. In Hotelprospekten steht es neben Massage und Sauna, in Studien wird es als Therapie gegen Angst und Schmerz untersucht. Daraus entsteht die Frage im Titel. Wenn Floating so gut wirkt, warum verschreibt es niemand?

Die Antwort hat zwei Teile. Der eine ist rechtlich und eindeutig, der andere liegt in der Studienlage, die vielversprechend klingt und trotzdem dünn ist. Was Floating ist und wie ein Besuch abläuft, erklärt unser Lexikoneintrag Floating. Hier geht es darum, was gemessen wurde und was nicht. Ärztlichen Rat ersetzt dieser Beitrag nicht.

Die kurze Antwort

Floating gibt es in Deutschland nicht auf Rezept. In der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, die festlegt, was Ärztinnen und Ärzte zulasten der Krankenkassen verordnen dürfen, kommt es nicht vor. Die Studienlage ist freundlich, aber schmal: Kleine Studien zeigen, dass Menschen nach einer Stunde im Floatingbecken deutlich weniger Angst und Stress angeben und dass Blutdruck und Atmung währenddessen sinken. Über mehrere Wochen gab es Hinweise auf weniger Schmerz und besseren Schlaf. Große, verblindete Vergleichsstudien fehlen, und eine Behandlung ersetzt Floating nicht.

Was die Studienlage sagt

Die Forschung nennt das Verfahren Flotation-REST, Reduced oder Restricted Environmental Stimulation Therapy, also Behandlung durch verminderte Reize. Gemeint ist ein geschlossener Isolationstank oder ein abgedunkelter Raum mit einem flachen Becken. Das Wasser ist hautwarm und mit Epsomsalz, also Magnesiumsulfat, so stark gesättigt, dass der Körper von selbst oben liegt. Im Becken der Forschungsgruppe um Justin Feinstein in Tulsa, USA, stehen rund 28 Zentimeter Wasser mit etwa 800 Kilogramm Salz.

Angst und Stress nach einer Sitzung

Die meistzitierte Studie stammt von Feinstein und Kollegen (PLoS One, 2018). 50 Menschen mit Angst- und Stresserkrankungen, die meisten zusätzlich mit Depression, floateten eine Stunde lang. Unmittelbar danach war die Angst im Fragebogen stark gesunken, ebenso Stress, Muskelverspannung und Schmerz. Die Wirkung war bei den ängstlichsten Teilnehmenden am größten. Die Studie hatte allerdings keine Kontrollgruppe, die etwas anderes tat, und maß nur direkt vor und nach der Sitzung. Die Autoren schreiben selbst, das Ergebnis müsse in größeren kontrollierten Studien bestätigt werden.

Blutdruck und Atmung während des Floatens

Eine zweite Studie derselben Gruppe (Flux und Kollegen, Frontiers in Neuroscience 2022) hatte einen Vergleich. 37 ängstliche und 20 nicht ängstliche Personen verbrachten 90 Minuten im Floatingbecken und an einem anderen Tag 90 Minuten vor einem ruhigen Naturfilm. Beim Floaten sanken oberer und unterer Blutdruck sowie die Atemfrequenz stärker, der Puls zeigte nur eine Tendenz. Die Autoren deuten das als Verschiebung hin zum entspannenden, parasympathischen Teil des Nervensystems. Gemessen wurde während der Sitzung, nicht Tage danach.

Serien über mehrere Wochen

Aus Schweden kommen zwei kleine randomisierte Studien der Universität Karlstad. Anette Kjellgren und Jessica Westman (BMC Complementary and Alternative Medicine, 2014) teilten 65 gesunde Beschäftigte in zwei Gruppen. Die eine floatete zwölfmal in sieben Wochen, die andere stand auf einer Warteliste. In der Floating-Gruppe sanken Stress, Depressivität, Angst und stärkster Schmerz, Optimismus und Schlafqualität stiegen. Kristoffer Jonsson und Kjellgren (2016) untersuchten 50 Menschen mit selbst festgestellter generalisierter Angststörung; nach zwölf Sitzungen erfüllten 37 Prozent der Floating-Gruppe die Kriterien nicht mehr. Beide Studien verglichen mit einer Warteliste, nicht mit einer anderen Entspannungsmethode, und die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie waren.

Was die Übersichtsarbeiten sagen

Eine systematische Übersicht aus Kalifornien (Lashgari und Kollegen, BMC Complementary Medicine and Therapies 2025) fand 63 Studien mit zusammen 1.838 Teilnehmenden. Günstige Effekte zeigten sich bei Schmerz, Stress, Wohlbefinden und Angst, wenig bis nichts bei Schlafstörungen und beim Rauchstopp. Eine Übersicht zu chronischem Schmerz (Stuart und Kollegen, Journal of Pain Research 2026) fand acht Studien mit 401 Personen; die Studien waren zu unterschiedlich, um sie rechnerisch zusammenzufassen. Beide Teams nennen die kleinen Fallzahlen als wichtigste Schwäche.

Was nicht belegt ist

Oft zu lesen ist, das Magnesium aus dem Epsomsalz gelange über die Haut in den Körper und entspanne die Muskeln. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Nutrients (Gröber und Kollegen, 2017) kommt zum Ergebnis, dass die Aufnahme von Magnesium über die Haut wissenschaftlich nicht gestützt ist. Das Salz sorgt für den Auftrieb, mehr ist nicht gezeigt. Ebenso wenig belegt ist die Aussage aus manchen Prospekten, eine Stunde Floating ersetze mehrere Stunden Schlaf: Eine Studie, die das misst, haben wir nicht gefunden.

Warum es kein Rezept gibt

Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (zuletzt geändert am 15. Mai 2025) zählt auf, welche Heilmittel verordnet werden dürfen, darunter Inhalationen, Kohlensäurebäder und Wärmetherapie. Floating steht nicht darin. In Anlage 1 führt die Richtlinie ausdrücklich „Schwimmen und Baden, auch in Thermal- und Warmwasserbädern“ als Maßnahme der persönlichen Lebensführung, die nicht verordnungsfähig ist. Für eine Aufnahme müsste ein Nutzen nach den Regeln des Ausschusses nachgewiesen sein, und dafür reichen Wartelisten-Studien mit einigen Dutzend Personen nicht.

Wie es in der Praxis aussieht

In den Studien dauerte eine Sitzung 45 bis 90 Minuten, meist eine Stunde. Wirkungen über Wochen wurden mit Serien von zwölf Terminen untersucht, in der Studie von Garland und Kollegen (PLoS One, 2024) mit sechs Terminen. Im Hotel werden Sie in aller Regel einmal oder zweimal floaten. Das entspricht den Einzelsitzungen, nach denen die Angstwerte direkt gemessen wurden, nicht den Serien.

Wichtig ist der Unterschied zwischen den Angeboten, die unter demselben Wort laufen:

  • Nasses Floating im Isolationstank oder in einem abgedunkelten Becken mit gesättigter Salzlösung: Das ist die Form, die in den Studien untersucht wurde. Reizarmut, also Dunkelheit und Stille, gehört dazu.
  • Floating im Solebecken: Viele Hotels haben Becken mit Sole. Ob die Salzkonzentration zum Schweben reicht und ob der Raum abgedunkelt ist, steht in unseren Daten nicht. Fragen Sie nach.
  • Trockenes Floating auf einer Schwebeliege: Sie liegen auf einer Folie über warmem Wasser und bleiben trocken, oft verbunden mit einer Packung. Das fühlt sich ähnlich an, wurde in den REST-Studien aber nicht untersucht.

In unserem Bestand von 1.404 Häusern nennen 14 ausdrücklich ein Floatingbecken, ein Schwebebad oder eine Floating-Anwendung. 30 Häuser führen eine trockene Schwebe- oder Softpackliege, 78 ein Solebecken. Wer Floating im Sinne der Studien sucht, sollte also genau hinsehen: Ein Solebecken im hellen Hallenbad bietet Auftrieb, aber keine Tiefenentspannung durch Reizentzug.

Vor dem Floaten duschen Sie, danach auch, um das Salz abzuwaschen. Frische Rasur und kleine Wunden brennen im Salzwasser, Ohrstöpsel halten es aus dem Gehörgang. Wer gern mit anderen Ruheformen kombiniert, findet im Lexikon die Meditation, die viele Häuser als angeleitete Stunde anbieten.

Wann man es lassen sollte

Eine verbindliche Liste von Gegenanzeigen gibt es für Floating nicht. Einen Anhaltspunkt geben die Ausschlusskriterien der kontrollierten Studie von Garland und Kollegen (2024): Nicht teilnehmen durften Menschen, die sich im Wasser unwohl fühlen, mit Hauterkrankungen oder offenen Wunden, die im Salzwasser schmerzen würden, mit Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen, mit bipolarer Störung, Schizophrenie oder Essstörung, mit akuter Suizidgefahr sowie Schwangere. Ausschlusskriterien einer Studie sind kein Nachweis eines Risikos, aber ein Hinweis, wo die Forschung selbst vorsichtig war.

In den Studien traten keine schweren unerwünschten Ereignisse auf. Wer Platzangst hat, kommt mit einem geschlossenen Tank oft schlecht zurecht; Feinstein und Kollegen beschreiben, dass viele frühere Tanks als zu eng empfunden wurden, weshalb heute offene Becken verbreitet sind.

Floating kann eine Behandlung von Angst, Depression oder chronischen Schmerzen ergänzen, aber nicht ersetzen. Die Studien liefen neben der üblichen Behandlung oder an Gesunden. Wenn Sie eine psychische Erkrankung, Epilepsie, eine Hauterkrankung haben oder schwanger sind, klären Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Floating für Sie in Frage kommt.

Wo man es ausprobieren kann

Die folgenden Häuser nennen Floating ausdrücklich im Namen eines Beckens oder einer Anwendung. Salzkonzentration, Abdunkelung und Dauer stehen nicht in den Daten; fragen Sie vor der Buchung nach.

  1. Klosterhof Alpine Hideaway & Spa, Bayerisch Gmain im Berchtesgadener Land: vier Sterne, 82 .guide Score, 65 Zimmer. Das Haus hat einen „Alpine Soledom floating pool“ und führt „Therapeutic floating“ als Anwendung.
  2. Hotel Engel Obertal, Baiersbronn im Schwarzwald: fünf Sterne, 81 .guide Score, 95 Zimmer. Im Spa gibt es einen Sole-Floatingpool, der Nationalpark Schwarzwald liegt gut fünf Kilometer entfernt.
  3. Burg Vital Resort, Lech am Arlberg: fünf Sterne, 82 .guide Score, 59 Zimmer. Die Beckenliste nennt ein Sole-Floating-Becken.
  4. Hotel DIE POST, Bad Kleinkirchheim in Kärnten: vier Sterne, 82 .guide Score, 94 Zimmer. Das Haus hat ein Floating-Solebecken und ein Sole-Dampfbad.
  5. Hotel Sonnenhof, Lam im Bayerischen Wald: vier Sterne Superior, 86 .guide Score, 166 Zimmer. Floating steht in der Anwendungsliste unter Hydrotherapie.
  6. Ringhotel Villa Margarete, Waren an der Müritz: vier Sterne, 81 .guide Score, 29 Zimmer. Das Haus hat ein Floatarium und bietet eine Ganzkörpermassage im Anschluss daran an.
  7. Bad Horn Hotel & Spa, Horn am Bodensee in der Schweiz: vier Sterne Superior, 82 .guide Score, 71 Zimmer. Floating ist als Anwendung unter Hydrotherapie geführt.

Verwandte Begriffe

Die Grundlagen stehen im Lexikoneintrag Floating. Wer sich für Salzwasser als Anwendung interessiert, findet die Meerwasser-Tradition unter Thalasso und in unserem Beitrag Thalasso: was Meerwasser wirklich kann. Warmes Mineralwasser zum Baden behandelt der Eintrag Thermalbad. Wo Wellness endet und Medizin beginnt, beschreibt der Beitrag Medical Wellness.

Häufige Fragen

Quellen

Häufig gestellte Fragen

  • Nein. Die Heilmittel-Richtlinie, nach der Ärztinnen und Ärzte zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen, führt Floating nicht. Baden in Thermal- und Warmwasserbädern zählt dort ausdrücklich zur persönlichen Lebensführung.

  • Kleine Studien zeigen direkt nach einer Sitzung deutlich weniger Angst und Stress sowie während des Floatens niedrigeren Blutdruck. Serien von zwölf Sitzungen verbesserten Stress, Schlafqualität und Schmerz im Vergleich mit einer Warteliste. Große verblindete Studien fehlen.

  • In Studien dauerte eine Sitzung 45 bis 90 Minuten, meist eine Stunde. Effekte über Wochen wurden mit sechs bis zwölf Sitzungen untersucht. Eine feste Empfehlung gibt es nicht.

  • Studien schlossen Menschen mit offenen Wunden, Hauterkrankungen, Epilepsie, bestimmten psychischen Erkrankungen und Schwangere aus. Wer davon betroffen ist oder Platzangst hat, klärt Floating vorher ärztlich ab.

  • In unserem Bestand nennen 14 Häuser ein Floatingbecken oder eine Floating-Anwendung, etwa der Klosterhof in Bayerisch Gmain, das Hotel Engel Obertal in Baiersbronn und der Sonnenhof in Lam. Fragen Sie nach Salzkonzentration und Abdunkelung.