Wellness

Sauna bei Erkältung: was die Studien sagen

Mit Schnupfen, Halsschmerzen oder Fieber gehören Sie nicht in die Sauna: Die AOK nennt die Sauna bei einem Infekt tabu, bis Sie wieder gesund sind. Regelmäßiges Saunieren in gesunden Wochen ist eine andere Frage. Eine kleine Studie und finnische Kohortenstudien deuten auf weniger Atemwegsinfekte hin, beweisen es aber nicht.

von Michael Würz, Geschäftsführer & Digital Strategist24. September 202610 Min. Lesezeit
Sauna mit Fenster auf eine verschneite Landschaft

Auf einen Blick

  • Akut erkältet oder mit Fieber: keine Sauna, bis Sie wieder gesund sind (AOK).
  • Vorbeugen: eine kleine kontrollierte Studie aus Wien (1990, 50 Personen) fand bei Saunagängern etwa halb so viele Erkältungen, aber erst nach drei Monaten.
  • Finnische Kohortenstudien zeigen bei häufig saunierenden Männern seltener Lungenentzündungen und Atemwegserkrankungen. Ein Zusammenhang, kein Beweis.
  • Gegen einen laufenden Schnupfen hilft warme, feuchte Luft laut Cochrane-Übersicht nicht nachweisbar.
  • Wer vorbeugen will, sauniert regelmäßig in gesunden Wochen und beginnt mild.
  • In unserem Bestand in Allgäu, Schwarzwald und Bayerischem Wald haben 97 von 117 Häusern mit erfassten Saunen eine heiße und eine milde Kabine.

Sauna bei Erkältung: Die Frage klingt einfach, hat aber zwei Hälften. Die eine lautet, ob Sie mit laufender Nase oder erhöhter Temperatur schwitzen dürfen. Die andere, ob regelmäßiges Saunieren Sie seltener krank werden lässt. Auf die erste gibt es eine klare Antwort der Krankenkassen, auf die zweite nur Hinweise aus wenigen Studien. Genau deshalb wird darüber so viel gestritten: Verbände und Hotelprospekte schreiben gern, die Sauna stärke das Immunsystem, die Forschung ist deutlich vorsichtiger.

Wir haben die Studien gelesen, auf die sich solche Aussagen berufen, und sagen bei jeder, was sie zeigt und was nicht. Ärztlichen Rat ersetzt dieser Beitrag nicht.

Die kurze Antwort

Mit einer akuten Erkältung, mit Fieber oder einem anderen Infekt sollten Sie nicht saunieren. Die AOK formuliert es unmissverständlich: Bei einem Infekt oder einer akuten Entzündung ist die Sauna tabu, bis Sie wieder gesund sind. Für die Zeit dazwischen gibt es Hinweise, dass regelmäßiges Saunieren mit weniger Atemwegsinfekten einhergeht. Belegt ist das nicht: Die einzige kontrollierte Studie zur Erkältung ist klein und über dreißig Jahre alt, die größeren Daten stammen aus Beobachtungsstudien an finnischen Männern. Wer die Sauna zur Vorbeugung nutzen will, geht in gesunden Wochen regelmäßig und hört bei den ersten Anzeichen auf.

Was die Studienlage sagt

Zur Frage Sauna und Erkältung gibt es erstaunlich wenig Forschung, und die vorhandene lässt sich in vier Gruppen teilen. Keine davon beantwortet die Frage allein.

Vorbeugung: eine kleine Studie aus Wien

Die meistzitierte Arbeit stammt von Edzard Ernst und Kollegen von der Universität Wien (Annals of Medicine, 1990). 25 Freiwillige gingen regelmäßig in die Sauna, 25 weitere verzichteten darauf, beobachtet wurde ein halbes Jahr lang. Die Saunagruppe hatte signifikant weniger Erkältungen, vor allem in den letzten drei Monaten: Dort halbierte sich die Zahl ungefähr. Wie lange eine Erkältung dauerte und wie schwer sie verlief, unterschied sich nicht. Die Autoren selbst schreiben, Saunieren senke die Häufigkeit von Erkältungen wahrscheinlich, der Beweis brauche weitere Studien. Eine größere kontrollierte Studie zur Erkältung haben wir nicht gefunden.

Beobachtung: die finnische Kuopio-Kohorte

Aus Ostfinnland stammen die größten Datensätze, alle aus derselben Kohortenstudie, der Kuopio Ischaemic Heart Disease Study. Setor Kunutsor, Jari Laukkanen und Kollegen werteten dort 1.935 Männer zwischen 42 und 61 Jahren über im Mittel 25,6 Jahre aus (European Journal of Epidemiology, 2017). Wer zwei- bis dreimal pro Woche saunierte, erkrankte seltener an Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung, Asthma oder COPD als Männer mit höchstens einem Saunabesuch; bei vier und mehr Besuchen war das Risiko um rund 40 Prozent geringer. Eine spätere Auswertung mit 2.275 Männern fand die niedrigste Rate an Lungenentzündungen bei denen, die häufig saunierten und zugleich körperlich fit waren (European Journal of Clinical Investigation, 2021).

Solche Kohortenstudien zeigen einen Zusammenhang, keinen Beweis. Wer vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna geht, ist womöglich gesünder, hat mehr Zeit oder lebt anders, und nicht jeder dieser Unterschiede lässt sich herausrechnen. Frauen waren in diesen Auswertungen nicht dabei, und gewöhnliche Erkältungen wurden gar nicht erfasst, sondern nur im Krankenhaus gestellte Diagnosen.

Behandlung: warme Luft gegen laufenden Schnupfen

Dass heiße, feuchte Luft einen bestehenden Schnupfen verkürzt, lässt sich nicht belegen. Eine Cochrane-Übersicht von Meenu Singh und Kollegen (2017) hat sechs Studien mit 387 Personen ausgewertet, die warmen Wasserdampf einatmeten. Ob die Beschwerden dadurch nachließen, blieb unsicher, die Virusmenge in der Nase änderte sich nicht, die Qualität der Belege ist niedrig. Eine Sauna wurde dort gar nicht untersucht, nur ein Inhalationsgerät. Die verbreitete Idee, man könne eine Erkältung „ausschwitzen“, hat also keine Grundlage in diesen Studien.

Messwerte: was im Blut passiert

Nach einem einzelnen Saunagang steigen im Blut die weißen Blutkörperchen an, das zeigte eine polnische Studie an 18 Männern (Pilch und Kollegen, Journal of Human Kinetics, 2013). Ein kurzfristiger Anstieg im Labor sagt allerdings nichts darüber, ob jemand seltener krank wird.

Was Verbände und Kassen schreiben

Der Deutsche Sauna-Bund bewirbt das Wechselbad als geeignet, das Immunsystem in Schwung zu bringen, Abhärtung zu erzielen und so Infekten vorzubeugen. Auch das AOK-Gesundheitsmagazin schreibt, beim regelmäßigen Saunieren werde das Immunsystem gestärkt. Beide Sätze nennen keine Studie. Der Sauna-Bund ist zudem der Verband der Saunabranche. Wir behandeln beide Aussagen deshalb als Einschätzung, nicht als Beleg.

Wie es in der Praxis aussieht

Wer die Sauna zur Vorbeugung nutzen will, sauniert regelmäßig in Wochen, in denen er gesund ist. Den Reiz liefert der Wechsel: erst Hitze, dann Kälte, dann Ruhe. Dieser Wechselreiz ist das, was der Sauna-Bund mit Abhärtung meint, auch wenn eine Wirkung auf Erkältungen nur für regelmäßiges Saunieren über Monate beschrieben ist. In der Wiener Studie zeigte sich der Unterschied erst in der zweiten Hälfte des halben Jahres.

Für den einzelnen Besuch gelten die Regeln des Deutschen Sauna-Bunds:

  • Ein Gang dauert acht bis 15 Minuten, das Körpergefühl zählt mehr als die Uhr. Die letzten zwei Minuten sitzen Sie aufrecht.
  • Abkühlen zuerst an der frischen Luft, danach mit kaltem Wasser. Vor dem Tauchbecken kurz abduschen.
  • Nach dem Abkühlen mindestens so lange ruhen, wie der Gang gedauert hat.
  • Drei Gänge reichen: Mehr steigert die Wirkung nach Angaben des Verbands nicht.

Wer selten sauniert, beginnt mild. Einsteigern und chronisch Kranken empfiehlt die AOK zunächst Kabinen mit 45 bis 60 Grad und höherer Luftfeuchte, also eine Biosauna oder ein Dampfbad, und anfangs nur drei bis fünf Minuten. Wie Sie sich im Saunabereich eines Hotels verhalten, vom Liegetuch bis zum Aufguss, steht in unserem Sauna-Knigge.

Nach einer Erkältung gibt es keine Studie, die sagt, wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Gang ist. Die AOK-Regel lautet: erst wieder, wenn Sie gesund sind. Beginnen Sie danach mit einem kürzeren, milderen Gang und steigern Sie, wenn Sie sich wohlfühlen.

Wann man es lassen sollte

Eine akute Erkältung ist selbst eine Kontraindikation: Bei akuten Infekten, Fieber, akuter Herzschwäche, Brustschmerzen oder schweren Herzerkrankungen rät die AOK vom Saunabesuch ab. Schwitzen belastet nach Auskunft der AOK den Kreislauf, und wer erkältet sauniert, sitzt zudem mit anderen Gästen auf engem Raum. Weitere Gründe, vorher ärztlichen Rat einzuholen:

  • Schlecht eingestellter Bluthochdruck: Hier rät die Deutsche Hochdruckliga von der Sauna ab.
  • Hoher Blutdruck generell: Der Deutsche Sauna-Bund empfiehlt, das Kaltwasser-Tauchbecken zu meiden, weil Wasserdruck und Kältereiz den Blutdruck steigen lassen können.
  • Schwangerschaft: Den Besuch vorher mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt absprechen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes: Die AOK empfiehlt zwischen zwei Gängen mindestens 30 Minuten Ruhe.

Hält eine Erkältung länger als üblich an, kommt hohes Fieber dazu oder haben Sie eine Herz- oder Lungenerkrankung, klären Sie den nächsten Saunabesuch vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wo man es ausprobieren kann

Für den Einstieg nach der Erkältungszeit eignen sich Häuser, die neben der heißen finnischen Sauna auch mildere Kabinen haben. In unserem Bestand haben wir das für Allgäu, Schwarzwald und Bayerischen Wald ausgezählt (Stand 23.09.2026): Von 167 Häusern haben 117 ihre Saunen einzeln erfasst, 107 davon eine finnische Sauna, 104 eine milde Kabine wie Biosauna, Dampfbad oder Tepidarium, 97 beides. Von 274 Kabinen mit Temperaturangabe liegen 145 bei 60 Grad oder darunter. Bei den übrigen 50 Häusern fehlen die Einzelangaben, was nicht heißt, dass sie keine Sauna haben. Die folgenden sieben Häuser haben heiße und milde Kabinen in ihren Daten:

  1. Hotel Sonnenhof in Lam, Bayerischer Wald, 4 Sterne Superior, 86 .guide Score, 166 Zimmer. Neun Kabinen, von der Softsauna mit 55 Grad und der Kräutersauna mit 60 Grad bis zur Panorama-Eventsauna mit 90 Grad, dazu zwei Dampfbäder und ein Sole-Dampfbad.
  2. Parkhotel Burgmühle in Fischen im Allgäu, 4 Sterne, 83 .guide Score, 68 Zimmer. Acht Kabinen, darunter Aufgusssauna mit 90 Grad, Stubensauna mit 80 Grad, Sanarium mit 60 Grad sowie Tepidarium und Solebad mit je 40 Grad.
  3. Waldhotel am Notschreipass in Todtnau, Schwarzwald, 4 Sterne, 81 .guide Score, 28 Zimmer. Acht Kabinen, darunter eine Bergbau-Sauna mit Eisbrunnen, eine finnische Sauna in der Wald-Saunahütte und eine Relax-Sauna mit 55 Grad im Textilbereich.
  4. SPA & Relax Hotel Erika in Dorf Tirol, Meraner Land, 5 Sterne, 81 .guide Score, 70 Zimmer. Neben der finnischen Sauna mit 90 Grad stehen vier Kabinen mit 45 Grad in den Daten, darunter Aroma-Dampfbad und Laconium, dazu Saunen für Badekleidung.
  5. DAS SIEBEN in Bad Häring, Tiroler Unterland, 4 Sterne Superior, 81 .guide Score, 116 Zimmer. Sieben Kabinen zwischen 41 und 90 Grad, von Solebad und Dampfbad über Bio-Sauna und Panorama-Zirbensauna bis zur Panorama-Altholzsauna.
  6. Lido Palace Hotel in Riva del Garda, Garda Trentino, 5 Sterne Superior, 82 .guide Score, 42 Zimmer. Finnische Sauna mit 98 Grad, Biosauna mit 55 Grad, zwei Dampfbäder mit 45 Grad, ein Rasul-Bad und ein Salzraum.
  7. Grand Hotel Binz im Ostseebad Binz auf Rügen, 5 Sterne, 81 .guide Score, 127 Zimmer. Finnische Sauna, Duftsauna und türkisches Dampfbad, Temperaturen sind nicht erfasst.

Weitere Häuser finden Sie auf den Regionsseiten Bayerischer Wald, Schwarzwald und Meraner Land.

Verwandte Begriffe

Grundlagen zu Bauformen, Temperaturen und Ablauf erklärt das Lexikon: Sauna als Oberbegriff, die finnische Sauna mit 90 bis 100 Grad, die mildere Biosauna und das Dampfbad mit feuchter Wärme um 45 Grad. Wo Wellness endet und medizinische Behandlung beginnt, beschreibt unser Beitrag Medical Wellness: wo die Grenze zur Medizin verläuft. Alle Beiträge finden Sie im Magazin.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

  • Nein. Bei einem akuten Infekt, bei Schnupfen mit Krankheitsgefühl oder Fieber rät die AOK vom Saunabesuch ab, bis Sie wieder gesund sind. Die Sauna ist dann eine zusätzliche Belastung für den Kreislauf, und eine Erkältung lässt sich nach den vorhandenen Studien nicht ausschwitzen.

  • Eine kontrollierte Studie aus Wien mit 50 Personen fand 1990 bei regelmäßigen Saunagängern etwa halb so viele Erkältungen, allerdings erst nach drei Monaten. Finnische Kohortenstudien zeigen bei häufig saunierenden Männern seltener Lungenentzündungen und Atemwegserkrankungen. Das sind Zusammenhänge, keine Beweise. Gegen einen laufenden Schnupfen half warmer Dampf in einer Cochrane-Übersicht nicht nachweisbar.

  • Eine Dosis zur Vorbeugung von Erkältungen ist nicht belegt. In der Wiener Studie saunierten die Teilnehmenden regelmäßig über ein halbes Jahr, in den finnischen Daten gingen die Männer mit den niedrigsten Raten mehrmals pro Woche. Für den einzelnen Besuch empfiehlt der Deutsche Sauna-Bund drei Gänge von acht bis 15 Minuten mit Abkühlen und Ruhe.

  • Bei akuten Infekten und Fieber, bei akuter Herzschwäche, Brustschmerzen oder schweren Herzerkrankungen rät die AOK ab, bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck die Deutsche Hochdruckliga. In der Schwangerschaft und bei chronischen Erkrankungen sprechen Sie den Besuch vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

  • In Häusern mit milden Kabinen, etwa Biosauna, Sanarium oder Dampfbad um 45 bis 60 Grad. Beispiele aus unserem Bestand sind der Sonnenhof in Lam, die Parkhotel Burgmühle in Fischen und DAS SIEBEN in Bad Häring. In Allgäu, Schwarzwald und Bayerischem Wald haben 104 von 117 Häusern mit erfassten Saunen eine solche Kabine.