Kultur

Törggelen in Südtirol: Zeit, Speisen, Knigge und Wellness

Wann ist Törggele-Zeit, was kommt auf den Tisch, was ist der Unterschied zwischen Buschenschank und Hofschank, und wie verbinden Sie den Südtiroler Herbstbrauch mit ein paar ruhigen Tagen im Wellnesshotel? Ein Überblick mit Quellen.

23. September 20268 Min. Lesezeit
Geröstete, aufgeplatzte Kastanien auf Papier

Auf einen Blick

  • Törggelen ist ein Herbstbrauch: Nach der Weinlese kehrt man in Buschen- und Hofschänken ein, probiert den jungen Wein und isst deftig.
  • Die Saison läuft meist von Anfang Oktober bis Ende November, manche Quellen nennen den Beginn des Advents als Ende.
  • Typisch sind Gerstsuppe, Schlutzkrapfen, Schlachtplatte mit Knödeln und Kraut, süße Krapfen und gebratene Keschtn (Kastanien).
  • Dazu gibt es Nuier (junger Wein) und Süßer (Traubenmost, der gerade zu gären beginnt).
  • Zum Brauch gehört eine Wanderung vor der Einkehr, etwa auf dem Keschtnweg im Eisacktal.
  • Am Wochenende reservieren, nicht selbst fahren, und zwischen Törggele-Abend und Sauna genug Zeit lassen.

Wann ist die beste Zeit zum Törggelen, was bestellt man eigentlich, und wie passt ein Abend mit Wein, Speck und Kastanien zu einem Wellnessurlaub? Kurz gesagt: Törggelen ist ein Südtiroler Herbstbrauch, bei dem man nach einer Wanderung in einem Bauernhof einkehrt, den neuen Wein probiert und deftig isst. Die Saison beginnt nach der Weinlese Anfang Oktober und dauert meist bis Ende November. Dieser Beitrag erklärt Herkunft, Ablauf, Speisen und Knigge und zeigt, wie Sie den Brauch mit ein paar Tagen im Wellnesshotel verbinden.

Woher kommt das Törggelen?

Der Name geht auf die „Torggl“ zurück, die hölzerne Weinpresse in den Kellern der Bauern. Südtirol Marketing leitet das Wort vom lateinischen „torquere“ (drehen) ab, der Bauernbund-Marke Roter Hahn zufolge stammt es von „torculus“, der Weinpresse. Beide Erklärungen führen zur Presse.

Ursprünglich trafen sich nach dem Keltern Bauern, Erntehelfer und Weinhändler, um den neuen Wein zu verkosten. Das beschreibt etwa der Tourismusverein Ritten. Später kamen Familie und Nachbarn dazu, und aus der Verkostung wurde eine Einkehr in der Bauernstube. Wo genau der Brauch begann, ist nicht eindeutig belegt: Der Tourismusverein Brixen nennt das Eisacktal als Ursprung, andere Quellen verweisen auf weitere Weinbaugebiete.

Wann ist Törggele-Zeit?

Die Saison richtet sich nach Weinlese und Kastanienernte. Südtirol Marketing und die Tourismusgenossenschaft Meraner Land nennen „Anfang Oktober bis Ende November“. Der Ritten spricht von der Zeit zwischen Anfang Oktober und dem Beginn der Adventszeit. Laut DERTOUR beginnt es in tieferen Lagen wie um Bozen und Kaltern etwas früher als in höher gelegenen Tälern.

Für Ihre Planung 2026 heißt das: Rechnen Sie mit Oktober und November. Jeder Hof legt seine Öffnungstage selbst fest, viele Stuben haben nur an bestimmten Wochentagen geöffnet. Fragen Sie deshalb direkt beim Betrieb nach, bevor Sie losgehen.

Buschenschank und Hofschank: wo man törggelt

Getörggelt wird in bäuerlichen Schankbetrieben. Den Unterschied erklärt der Roter Hahn so: Ein Buschenschank liegt in einem Weinbaugebiet, seine Lizenz ist an die Kelterung und den Ausschank eines hauseigenen Weines gebunden. Der Betreiber ist also Weinbauer, Kellermeister und Wirt in einem. Zu Beginn der Törggele-Saison hängt über dem Eingang ein Buschen aus Zweigen, daher der Name.

Ein Hofschank ist laut Roter Hahn immer ein Bergbauernhof oberhalb der Weinbauzone. Dort stehen Milch und Fleisch im Mittelpunkt, jeder Roter-Hahn-Hofschank bietet mindestens ein Gericht mit Fleisch vom eigenen Hof an. Wer Wert auf den eigenen Wein legt, sucht sich also einen Buschenschank.

Eine Orientierung bietet die Initiative „Törggelen am Ursprung“: Teilnehmende Höfe schenken Wein aus eigenem Anbau aus, verwenden Kastanien aus Südtirol und kochen hausgemachte Gerichte nach Familienrezept.

Was kommt auf den Tisch?

Törggelen ist kein einzelnes Gericht, sondern eine Folge von Gängen. Welche genau, hängt vom Hof ab. Die Liste aus den Angaben von Roter Hahn und Südtirol Marketing:

  • Gerstsuppe als Auftakt
  • Schlutzkrapfen („Schlutzer“), halbmondförmige Teigtaschen, oder Kasnocken
  • Schlachtplatte mit Surfleisch, Rippelen, Hauswürsten, Knödeln und Sauerkraut, oft auch Speck
  • Süße Krapfen als Nachspeise
  • Keschtn, gebratene Kastanien, am Ritten und im Meraner Land gern mit Butter
  • zum Abschluss oft ein Selbstgebrannter

Dazu gehören zwei Getränke. Der Nuier ist der junge Wein des Jahres. Der Süßer (auch Siaßer oder Suser) ist Traubenmost, der gerade erst zu gären beginnt. Zu den Kastanien passt laut Tourismusverein Ritten besonders der Most. Wie viel Alkohol der Süßer schon enthält, hängt vom Gärstand ab: Gehen Sie nicht davon aus, dass er alkoholfrei ist, und fragen Sie im Zweifel nach.

Törggele-Wege: erst gehen, dann einkehren

Zum Brauch gehört die Bewegung. „Man geat Törggelen und fährt nicht direkt zur Stube“, heißt es im Törggele-Knigge vom Ritten. Die bekannteste Route ist der Keschtnweg (Kastanienweg) im Eisacktal. Er führt durch Kastanienhaine und Weinberge vom Raum Brixen nach Bozen.

Bei der Länge gehen die Angaben auseinander: suedtirol.com nennt rund 60 Kilometer in sechs Etappen vom Vahrner See bis Schloss Runkelstein, Südtirol Marketing und der Tourismusverein Brixen sprechen von etwa 90 Kilometern. Der Unterschied liegt an Start, Ziel und Varianten. Für einen Törggele-Tag reicht ohnehin ein Teilstück, etwa von Feldthurns nach Klausen. Der Weg ist durchgehend markiert, die späteren Etappen verlangen gute Kondition.

Wer es kürzer mag: Rund um Kloster Neustift bei Brixen führt ein Törggele-Rundweg durch die nördlichsten Weinberge Italiens. Auch im Meraner Land, am Ritten und im Vinschgau gibt es Buschenschänke, die sich zu Fuß erreichen lassen.

Knigge und Sicherheit

  • Reservieren. Am Wochenende sind viele Stuben laut DERTOUR rasch ausgebucht. Rufen Sie vorher an, vor allem im Oktober.
  • Nicht „einmal Törggelen“ bestellen. Törggelen ist ein Brauch, kein Gericht. Fragen Sie, was der Hof heute kocht.
  • Wanderschuhe statt Absatz. Der Ritten-Knigge rät zu sportlicher Kleidung im Zwiebellook, weil die Stuben am Abend warm werden.
  • Nicht selbst fahren. In Italien gilt laut ADAC eine Promillegrenze von 0,5, für Fahranfänger in den ersten drei Jahren 0,0. Planen Sie Bus, Bahn oder ein Taxi ein, oder gehen Sie vom Hotel aus zu Fuß.
  • Den Rückweg bei Tageslicht planen. Im Herbst wird es früh dunkel. Der Deutsche Alpenverein empfiehlt eine Stirnlampe im Rucksack und feste Schuhe, weil nasses Laub und Wurzeln rutschig sind. Nach Wein und Schnaps ist ein steiler Abstieg im Dunkeln keine gute Idee: Gehen Sie lieber zuerst und kehren danach ein.

Törggelen und Wellness verbinden

Herbst in Südtirol heißt: Weinberge in Gelb und Rot, milde Tage im Tal und die ersten Schneefelder auf den Gipfeln. Das passt gut zu einem Wellnessurlaub. Ein Tag lässt sich so aufteilen: vormittags wandern, mittags oder früh am Abend einkehren, danach ins Hotel. Viele Häuser in der Region bieten im Herbst eigene Törggele-Pakete mit Übernachtung an. Was genau enthalten ist, unterscheidet sich stark, vergleichen Sie also Leistungen und Stornobedingungen.

Wichtig ist die Reihenfolge. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät dringend von Alkohol vor, während und nach dem Saunagang ab: Hitze und Alkohol erweitern beide die Blutgefäße, der Blutdruck kann gefährlich sinken. Legen Sie die Sauna oder das Dampfbad deshalb vor den Törggele-Abend oder auf den nächsten Tag. Nach einem langen Wandertag tun eine Massage oder ein warmer Whirlpool am Vormittag danach gut. Wie es in der Saunalandschaft zugeht, erklärt unser Sauna-Knigge.

Wählen Sie ein Hotel, von dem aus ein Buschenschank zu Fuß erreichbar ist. Dann sparen Sie sich die Frage nach dem Fahrer, und der Rückweg ist kurz. Im Eisacktal, am Ritten und im Meraner Land liegen Buschenschänke oft nur eine kurze Wanderung von den Dörfern entfernt.

Gute Ausgangspunkte finden Sie unter unseren Wellnesshotels im Meraner Land, mit viel Programm für die Wandertage bei den Wellnesshotels für Sport- und Aktivurlaub. Wer den Herbst allgemein plant, schaut bei den Wellnesshotels im Herbst. Wie wir Hotels bewerten, steht in unserer Methodik.

Häufig gestellte Fragen

  • Die Saison läuft wie jedes Jahr ungefähr von Anfang Oktober bis Ende November, manche Orte nennen den Beginn des Advents als Ende. Einen festen Termin gibt es nicht: Jeder Hof legt seine Öffnungstage selbst fest. Fragen Sie direkt beim Buschenschank nach.

  • Ein Buschenschank liegt im Weinbaugebiet und schenkt eigenen Wein aus. Ein Hofschank ist ein Bergbauernhof oberhalb der Weinbauzone, der vor allem Gerichte mit Fleisch und Milch vom eigenen Hof anbietet.

  • Typisch sind Gerstsuppe, Schlutzkrapfen oder Kasnocken, eine Schlachtplatte mit Surfleisch, Würsten, Knödeln und Sauerkraut, süße Krapfen und gebratene Kastanien (Keschtn). Dazu trinkt man Nuier und Süßer.

  • Der Nuier ist der junge Wein des Jahres. Der Süßer ist Traubenmost, der gerade zu gären beginnt. Je nach Gärstand kann er schon Alkohol enthalten.

  • Am Wochenende ist das dringend zu empfehlen, viele Stuben sind dann schnell voll. Unter der Woche haben Sie mehr Glück, aber auch dann lohnt ein Anruf, weil viele Höfe nur an bestimmten Tagen öffnen.

  • Die Angaben schwanken je nach Start, Ziel und Variante zwischen rund 60 und 90 Kilometern vom Raum Brixen bis Bozen. Für einen Törggele-Tag wählen Sie ein Teilstück von zwei bis vier Stunden.

  • Ja, viele Hotels in Südtirol schnüren im Herbst Pakete mit Übernachtung, Wanderungen und teils einem Törggele-Abend. Die Leistungen unterscheiden sich stark. Achten Sie auf Lage (zu Fuß zum Buschenschank), Verpflegung und Stornobedingungen.