Wellness

Infinity Pool: Was ihn ausmacht und worauf Sie achten sollten

Wasser, das scheinbar in den Himmel fließt: Der Infinity Pool ist das Fotomotiv vieler Wellnesshotels. Wir erklären, was eine echte Überlaufkante ausmacht, wie die Technik funktioniert, warum man in den Alpen auch im Januar draußen schwimmt und was Sie vor der Buchung prüfen sollten.

23. September 20269 Min. Lesezeit
Infinity-Pool mit Blick über ein wolkenverhangenes Alpental

Auf einen Blick

  • Ein Infinity Pool hat mindestens eine Kante, über die das Wasser ständig in eine tiefer liegende Rinne fließt. Dadurch verschwindet der Beckenrand optisch.
  • Das übergelaufene Wasser landet in einem Ausgleichsbehälter und wird gefiltert zurückgepumpt: ein geschlossener Kreislauf.
  • „Panoramapool“ ist kein geschützter Begriff: Nicht jeder Pool mit Aussicht hat eine echte Überlaufkante.
  • Viele Alpenhotels heizen ihre Außenbecken ganzjährig auf etwa 30 bis 36 Grad.
  • Vor der Buchung prüfen: innen oder außen, Temperatur, Öffnungszeiten, Größe, Adults-only-Regeln und Fotoregeln.
  • Handtuch auf der Liege reicht nicht als Reservierung: Viele Hotels verbieten das ausdrücklich in der Hausordnung.

Was ist ein Infinity Pool eigentlich, und ist jeder Pool mit Bergblick einer? Kurz gesagt: Ein Infinity Pool ist ein Becken, bei dem das Wasser über mindestens eine Kante ständig in eine verdeckte Rinne abfließt, sodass die Wasserfläche scheinbar ohne Rand in die Landschaft übergeht. In diesem Artikel erfahren Sie, wie das technisch funktioniert, woran Sie einen echten Infinity Pool von einem „Panoramapool“ unterscheiden, warum Sie in den Alpen auch bei Schnee draußen schwimmen können und worauf Sie vor der Buchung achten sollten.

Was ist ein Infinity Pool?

Die englische Wikipedia beschreibt den Infinity Pool als Becken, bei dem das Wasser über eine oder mehrere Kanten fließt und so der Eindruck einer Wasserfläche ohne Begrenzung entsteht. Gebräuchlich sind auch die Namen Vanishing Edge, Negative Edge, Overflow oder Spillover Pool (Wikipedia: Infinity pool). Auf Deutsch spricht die Branche meist vom Überlaufbecken.

Die Idee ist älter als das Wellnesshotel. Als frühes Beispiel gilt der Hirschbrunnen im Park von Versailles aus dem späten 17. Jahrhundert. In der Moderne machte der US-Architekt John Lautner das Prinzip bekannt, unter anderem mit einem Becken im James-Bond-Film „Diamantenfieber“ von 1971 (Wikipedia). Welcher Pool wirklich der erste war, ist nicht eindeutig belegt.

So funktioniert die Überlaufkante

Das Geheimnis liegt in einer Kante, die minimal tiefer liegt als der gewünschte Wasserspiegel. Wikipedia nennt 2 bis 6 Millimeter. Das Wasser strömt als dünner Film darüber und fällt in eine Auffangrinne darunter. Von dort läuft es in einen Ausgleichsbehälter, wird gefiltert und desinfiziert und dann zurück ins Becken gepumpt (Wikipedia, Knecht Garten).

Damit das Wasser gleichmäßig fließt, muss die Kante extrem genau gebaut sein. Ein deutscher Schwimmbadtechniker nennt eine Toleranz von höchstens ±1 Millimeter über die gesamte Länge. Der Ausgleichsbehälter fasst etwa 10 bis 15 Prozent des Beckenvolumens, denn jeder Gast, der ins Wasser steigt, verdrängt Wasser über die Kante (FKB Schwimmbadtechnik). Ein österreichischer Poolbauer rechnet mit rund 100 Litern pro Person (Freiraum).

Für Sie als Gast hat das einen spürbaren Vorteil: Weil ständig Wasser über die ganze Kantenbreite abfließt, wird die Oberfläche laufend mitgereinigt. Beim klassischen Skimmerbecken wird das Wasser dagegen nur an einer schmalen Öffnung abgesaugt, und der Wasserspiegel liegt 5 bis 20 Zentimeter unter dem Rand (Knecht Garten).

Infinity Pool oder nur Panoramapool?

Hier beginnt die Verwirrung. „Infinity“ und „Panorama“ sind keine geschützten Begriffe, und Hotels nutzen sie unterschiedlich. Poolbauer sprechen vom „Panorama-Pool mit Infinity-Überlaufrinne“ und meinen damit eine echte Überlaufkante (SSF Pools). In Hotelprospekten heißt „Panoramapool“ dagegen oft einfach: Pool mit Aussicht. Das kann ein Skimmerbecken mit Glasbrüstung sein.

Eine echte Infinity-Kante erkennen Sie an drei Merkmalen:

  • Der Wasserspiegel steht bündig mit der Kante. Es gibt keinen sichtbaren Rand zwischen Wasser und Horizont.
  • Das Wasser fließt sichtbar über, meist mit einem leisen, gleichmäßigen Rauschen.
  • Unter der Kante liegt eine Rinne oder ein zweites, schmales Becken. Auf Fotos von der Seite ist sie oft zu sehen.

Ein ebenfalls randvolles Becken mit umlaufender Rinne auf allen Seiten ist technisch ein Überlaufbecken, erzeugt aber nicht zwingend den Effekt der verschwindenden Kante. Entscheidend für das Erlebnis ist, dass die offene Seite zur Aussicht zeigt: zum See, ins Tal oder auf die Gipfel.

Beheizt im Winter: Infinity Pools in den Alpen

Ein Außenbecken im Januar klingt nach Mut. In vielen Alpenhotels ist es Standard, und das Erlebnis ist gerade im Winter besonders: warmes Wasser, kalte Luft, Dampf über der Kante und verschneite Berge im Hintergrund. Einige Beispiele mit Angaben der Betreiber oder Tourismusverbände:

Südtirol

Das Alpin Panorama Hotel Hubertus in Olang gibt für seinen 25 Meter langen Sky Pool ganzjährig 33 Grad an (Hotel Hubertus). Rund um Meran nennt die örtliche Tourismusgenossenschaft mehrere ganzjährig beheizte Infinity Pools, etwa 32 Grad im Hotel Quellenhof im Passeiertal oder 27 Grad im Sommer und 31 Grad im Winter im Hotel Vinea in Dorf Tirol (Visit Meran). Eine Auswahl finden Sie auf unserer Seite zu Wellnesshotels in Trentino-Südtirol.

Österreich

Tirol Werbung listet Hotels mit ganzjährig beheizten Infinity Pools, etwa im Stubaital mit einem Solebecken von 34 bis 36 Grad oder in Alpbach mit 32 Grad (Tirol Werbung). Mehr Häuser zeigen wir unter Wellnesshotels in Österreich.

Schweiz

Das bekannteste Beispiel ist das Bürgenstock Resort, dessen Infinity Edge Pool rund 500 Meter über dem Vierwaldstättersee liegt. Luzern Tourismus nennt eine Wassertemperatur von 35 Grad (Luzern Tourismus), zur Eröffnung 2017 war von 38 Grad die Rede (20 Minuten). Die aktuelle Angabe erfragen Sie am besten direkt. Weitere Häuser: Wellnesshotels in der Schweiz.

Deutschland

Auch in Deutschland gibt es Infinity Pools, oft kleiner. Das Hotel am Hopfensee im Allgäu nennt für sein Innen-Außen-Becken 6 mal 4 Meter, 34 Grad ganzjährig und Zutritt ab 16 Jahren (Hotel am Hopfensee). Das zeigt: „Infinity“ sagt nichts über die Größe.

Ein ehrlicher Hinweis zum Energieverbrauch: Überlaufbecken verlieren mehr Wärme als Skimmerbecken, weil Kante und Rinne immer offen sind und sich schlecht abdecken lassen (Freiraum). Manche Hotels heizen deshalb mit Biomasse oder Hackschnitzeln. Fragen Sie ruhig nach, wenn Ihnen das wichtig ist.

Checkliste: Darauf sollten Sie vor der Buchung achten

Die Fotos auf der Hotelwebsite sind meist mit Weitwinkel, bei bestem Licht und ohne andere Gäste entstanden. Diese Punkte sollten Sie vorher klären:

  1. Innen oder außen? Manche Infinity Pools liegen im Innenbereich mit Glasfront. Das ist schön, aber nicht dasselbe wie Schwimmen unter freiem Himmel.
  2. Beheizt und wie warm? Fragen Sie nach der Wassertemperatur in Ihrer Reisezeit. Zwischen 26 und 36 Grad ist alles möglich.
  3. Ganzjährig geöffnet? Manche Außenbecken schließen im Winter oder in der Zwischensaison für Wartung.
  4. Öffnungszeiten: Viele Außenbecken schließen am frühen Abend. Im Hotel Hubertus etwa ist der Sky Pool bis 19:30 Uhr geöffnet (Hotel Hubertus). Wer vom Sonnenuntergang im Pool träumt, sollte das prüfen.
  5. Größe: Ein 25-Meter-Becken und ein 24-Quadratmeter-Becken heißen beide Infinity Pool. Schwimmen Sie Bahnen, fragen Sie nach der Länge.
  6. Kinder oder Adults only? Manche Pools oder Zeitfenster sind nur für Erwachsene. Ruhe Suchende finden Häuser unter Adults-only-Wellnesshotels.
  7. Tagesgäste: Ist der Spa auch für externe Besucher offen, kann es voller werden. Im Hotel Hubertus ist der Zugang nach eigener Angabe Hotelgästen vorbehalten.
  8. Fotoregeln: Einige Hotels beschränken Handys am Pool, dazu unten mehr.

Suchen Sie auf Bewertungsportalen gezielt nach Gästefotos des Pools. Sie zeigen die echte Größe, die Liegen am Rand und wie voll es zu Stoßzeiten ist. Ein Blick auf die Karte verrät außerdem, ob die Aussicht wirklich frei ist oder ob Straße und Parkplatz davor liegen.

Pool-Knigge: Fotos, Liegen und Ruhe

Infinity Pools sind beliebte Fotomotive. Das führt zu Konflikten. Das Bürgenstock Resort hat 2019 „Flash & Splash Hours“ eingeführt: Handys und Kinder ab drei Jahren sind im Infinity Edge Pool nur von 7 bis 12 Uhr und von 17 bis 19 Uhr erlaubt, außerhalb dieser Zeiten sind Fotos und Videos dort untersagt (20 Minuten, Tageskarte). Ob die Regel heute noch genau so gilt, fragen Sie vor Ort nach.

  • Fotografieren Sie keine anderen Gäste. Im Saunabereich ist das Handy in vielen Häusern ganz tabu. Mehr dazu in unserem Sauna-Knigge.
  • Keine Liegen reservieren. Hotels dürfen das Reservieren per Handtuch in der Hausordnung verbieten. Manche räumen unbenutzte Handtücher nach etwa 30 Minuten ab (watson).
  • Nicht auf der Kante sitzen oder stehen. Sie ist nicht zum Draufsetzen gebaut, und hinter ihr kann es bei Hanglage steil nach unten gehen.
  • Leise bleiben. Der Pool gehört meist zum Ruhebereich. Wer plaudern möchte, findet im Whirlpool oft den passenderen Ort.

Infinity Pool und .guide Score

Bei wellnesshotel.guide fließen Pools in den Bereich Spa & Wellness des .guide Score ein, zum Beispiel über die Anzahl der Becken und die Poolfläche im Verhältnis zu den Zimmern. Eine spektakuläre Kante allein macht ein Hotel dabei nicht automatisch besser: Ein kleines Becken mit toller Aussicht bleibt ein kleines Becken. Wie wir genau bewerten, erklären wir auf unserer Seite zur Methodik.

Wenn Sie Wasser und Aussicht kombinieren möchten, lohnt auch der Blick auf Wellnesshotels in den Bergen und Wellnesshotels am See. Alle Hotels mit Schwimmbad finden Sie unter Wellnesshotels mit Pool, besondere Häuser unter Luxus-Wellnesshotels.

Häufig gestellte Fragen

  • Ein Infinity Pool ist ein Schwimmbecken, bei dem das Wasser über mindestens eine Kante ständig in eine tiefer liegende Rinne fließt. Dadurch ist der Beckenrand von der Wasserfläche aus nicht zu sehen, und das Wasser scheint in die Landschaft überzugehen.

  • Die Überlaufkante liegt wenige Millimeter unter dem Wasserspiegel. Das Wasser fließt in eine Auffangrinne, sammelt sich in einem Ausgleichsbehälter und wird von einer Pumpe über den Filter zurück ins Becken geleitet. Es geht also kein Wasser verloren, es läuft im Kreis.

  • Jeder Infinity Pool ist ein Überlaufbecken. Nicht jedes Überlaufbecken ist aber ein Infinity Pool: Bei vielen läuft das Wasser auf allen Seiten in eine sichtbare Rinne auf Höhe des Bodens. Beim Infinity Pool liegt die Rinne unter einer Kante, die zur Aussicht zeigt.

  • Ja, wenn er beheizt ist. Viele Hotels in Südtirol, Tirol und der Schweiz betreiben ihre Außenbecken ganzjährig mit etwa 30 bis 36 Grad Wassertemperatur. Fragen Sie vor der Buchung nach Temperatur und Öffnungszeiten im Winter.

  • Nicht unbedingt. Der Begriff ist nicht geschützt. Manche Hotels meinen damit ein Becken mit Überlaufkante, andere einfach einen Pool mit Aussicht. Achten Sie auf Fotos darauf, ob das Wasser bündig mit der Kante steht.

  • Das regelt jedes Hotel selbst. Einige erlauben Handys nur zu bestimmten Zeiten, im Saunabereich sind sie meist ganz verboten. Andere Gäste sollten Sie grundsätzlich nicht fotografieren.

  • Ja. Manche Hotels sind ganz Adults only, andere reservieren einzelne Becken oder Zeitfenster für Erwachsene. Die Altersgrenze legt jedes Haus selbst fest, im Hotel am Hopfensee etwa liegt sie bei 16 Jahren.