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Hotelsterne und Superior: Was sie im Wellnesshotel bedeuten

Was heißen vier oder fünf Sterne, was bedeutet „Superior“ und warum ist ein Superior-Zimmer etwas ganz anderes? So funktionieren die Hotelsterne in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol, und warum sie über das Spa fast nichts verraten.

23. September 20268 Min. Lesezeit
Elegante Hotellobby mit Marmorboden und Rezeption

Auf einen Blick

  • Deutschland, Österreich und die Schweiz vergeben Sterne nach einem gemeinsamen europäischen Katalog der Hotelstars Union.
  • „Superior“ am Hotel heißt: deutlich mehr Punkte als für die Sternezahl nötig. Ein 4-Sterne-Superior-Haus erreicht die Punktzahl eines Fünf-Sterne-Hotels.
  • Ein „Superior-Zimmer“ ist dagegen nur eine Zimmerkategorie des Hotels. Was dahinter steckt, legt jedes Haus selbst fest.
  • Italien klassifiziert regional. Südtirol hat ein eigenes Landessystem mit den Klassen 3S und 4S.
  • Sauna, Pool und Behandlungsräume sind im Sternekatalog nur freiwillige Zusatzpunkte, auch für fünf Sterne.
  • Der .guide Score von wellnesshotel.guide gewichtet deshalb Spa und Wellness am stärksten.

Was bedeuten vier Sterne, was fünf, und was macht aus einem Hotel ein „Superior“-Haus? Ist ein Superior-Zimmer dasselbe? Und woran erkennen Sie, ob ein Wellnesshotel ein gutes Spa hat? Kurz gesagt: Sterne messen vor allem Zimmer, Service und Ausstattung des Hotels, das Spa kommt darin nur am Rande vor. Dieser Beitrag erklärt, wie die Sterne in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien mit Südtirol vergeben werden, was „Superior“ jeweils heißt und worauf Sie bei der Wahl eines Wellnesshotels zusätzlich achten sollten.

Wer vergibt die Hotelsterne?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt ein gemeinsamer Standard: die Hotelstars Union. Sie wurde 2009 unter dem Dach des europäischen Gastgewerbeverbands HOTREC gegründet. Laut dem Kriterienkatalog 2025 bis 2030 sind derzeit 21 europäische Länder beteiligt, darunter auch Liechtenstein, die Niederlande und Tschechien. Italien gehört nicht dazu.

Der Katalog umfasst seit 2025 laut Hotelstars Union 239 Kriterien. Es gibt zwei Arten: Mindestkriterien, die jedes Haus einer Kategorie erfüllen muss, und freiwillige Kriterien, mit denen ein Hotel Punkte sammelt. Je mehr Sterne, desto mehr Mindestkriterien und desto höher die geforderte Punktzahl.

Deutschland

Die Sterne vergibt der Branchenverband DEHOGA. Die Teilnahme ist freiwillig, eine Kommission prüft das Haus vor Ort, und laut DEHOGA Schleswig-Holstein gilt die Einstufung drei Jahre. Eine Eigenvergabe von Sternen ist ausgeschlossen. Wer sich nicht klassifizieren lässt, hat schlicht keine offiziellen Sterne. Das sagt nichts Schlechtes über das Haus, nur fehlt die unabhängige Prüfung.

Österreich

In Österreich klassifiziert die Wirtschaftskammer. Laut WKO können Mitgliedsbetriebe die Klassifizierung freiwillig in Anspruch nehmen, durchgeführt wird sie von der Fachgruppe Hotellerie im jeweiligen Bundesland. Grundlage ist derselbe Katalog wie in Deutschland.

Schweiz

In der Schweiz ist HotellerieSuisse zuständig, ebenfalls auf Basis der Hotelstars Union. Eine Besonderheit: Zusätzlich zu den Sternen gibt es Spezialisierungen, darunter vier aus dem Bereich Wellness: „Wellness“, „Wellness und Spa“, „Medical Wellness“ sowie „Medical Wellness und Spa“. Für Medical Wellness verlangt der Verband ärztliche und medizinische Fachkompetenz. Wer in der Schweiz ein Wellnesshotel sucht, findet hier also ein zweites, spa-bezogenes Gütesiegel neben den Sternen. Mehr zu den Unterschieden erklärt unser Lexikon unter Medical Wellness.

Italien und Südtirol

Italien hat kein einheitliches nationales Sternesystem. Nach der Übersicht auf Wikipedia legen seit dem Rahmengesetz von 1983 die Regionen die Kriterien fest. Die höchste Stufe heißt dort „5 stelle lusso“, also fünf Sterne Luxus. Ein Vier-Sterne-Hotel am Gardasee und eines in den Marken können deshalb nach unterschiedlichen Regeln eingestuft sein.

Südtirol regelt die Einstufung selbst, auf Grundlage der Landes-Gastgewerbeordnung von 1988 und der Durchführungsverordnung von 1989. Laut dem Bürgerportal der Provinz Bozen ist die Einstufung Voraussetzung für die Betriebserlaubnis. Den Zusatz „Superior“ können nur Drei- und Vier-Sterne-Betriebe erhalten, in der Verordnung als 3S und 4S abgekürzt. Bei 3S, 4S und fünf Sternen besichtigt eine Kommission den Betrieb. Unverzichtbar sind laut Verordnung unter anderem Zimmergröße und Mitarbeiterzahl. Wer ein Haus im Meraner Land oder anderswo in Trentino-Südtirol bucht, liest also Sterne nach Südtiroler Maßstab, nicht nach Hotelstars Union.

Was bedeuten 2, 3, 4 und 5 Sterne?

Nach dem Katalog der Hotelstars Union braucht ein Hotel neben den Mindestkriterien eine bestimmte Punktzahl: 95 Punkte für einen Stern, 180 für zwei, 270 für drei, 410 für vier und 610 für fünf Sterne. Erreichbar sind höchstens 988 Punkte. Ein Hotel, das nur Frühstück anbietet („Hotel garni“), kann keine fünf Sterne bekommen.

  • Ein und zwei Sterne: einfache, funktionale Häuser. Zwei Sterne bedeuten mehr Mindestkriterien und doppelt so viele Punkte wie ein Stern, aber keinen Wellnessanspruch.
  • Drei Sterne: solide Mittelklasse. Hier beginnen etwa zweisprachige Mitarbeitende an der Rezeption als Pflicht.
  • Vier Sterne: gehobene Ausstattung und Service.
  • Fünf Sterne: höchste Ansprüche an Gesamteindruck, Service und Zimmer. Ein großes Spa ist trotzdem keine Pflicht.

Was heißt „Superior“ beim Hotel?

Der Zusatz „Superior“ steht für ein Haus, das innerhalb seiner Kategorie klar herausragt. Der Katalog der Hotelstars Union beschreibt Superior-Betriebe als Häuser, die deutlich mehr Punkte erreichen als für ihre Kategorie nötig und deren Gesamteindruck über dem Erwarteten liegt. Die Schwellen sind konkret: Ein 3-Sterne-Superior-Hotel braucht 410 Punkte, ein 4-Sterne-Superior-Hotel 610 und ein 5-Sterne-Superior-Hotel 710.

Ein 4-Sterne-Superior-Hotel erreicht also die Punktzahl eines Fünf-Sterne-Hauses. Laut DEHOGA Baden-Württemberg muss es aber nicht alle Mindestkriterien der höheren Kategorie erfüllen. Für Gäste heißt das: sehr viel Hotel, aber nicht in jedem Detail Fünf-Sterne-Service.

In Südtirol endet Superior bei 4S. Die Hotelstars Union kennt dagegen auch 5 Sterne Superior. Ein „4S“-Schild in Südtirol und „4 Sterne Superior“ in Bayern meinen also Ähnliches, beruhen aber auf verschiedenen Regelwerken.

Superior-Zimmer: nicht dasselbe wie ein Superior-Hotel

Hier passiert die häufigste Verwechslung. Ein Superior-Zimmer ist keine Auszeichnung, sondern eine Zimmerkategorie, die das Hotel selbst benennt. Meist liegt es über dem Standardzimmer: etwas größer, mit Sitzecke, Balkon oder besserem Ausblick. Wie die Hotelgruppe H-Hotels selbst schreibt, unterscheiden sich Bezeichnungen und Merkmale der Zimmerkategorien von Hotel zu Hotel. Ein Superior-Zimmer im Drei-Sterne-Haus kann kleiner sein als das Standardzimmer eines Fünf-Sterne-Hotels.

Vergleichen Sie bei Zimmerkategorien die Quadratmeter, nicht die Namen. „Superior“, „Deluxe“ oder „Wellness-Suite“ sind Hausbezeichnungen. Zimmergröße, Balkon und Ausrichtung stehen meist in der Zimmerbeschreibung und sagen mehr.

Was Sterne über das Spa verraten

Wenig. Im Katalog der Hotelstars Union sind Sauna, Whirlpool, Massage- und Beautyräume, Bäder- und Kneippabteilung, Ruheraum, Private Spa, Fitnessraum und Pools durchweg freiwillige Punkte. Keines dieser Kriterien ist Pflicht, auch nicht für fünf Sterne. Für die Sauna gibt es 3 Punkte je Saunatyp, maximal 9. Ein Innenpool zählt 10 Punkte, wenn er mindestens 40 Quadratmeter Wasserfläche hat.

Ein Stadthotel mit fünf Sternen kommt also ohne Spa aus, und ein Vier-Sterne-Haus in den Bergen kann eine größere Saunalandschaft haben als so manches Luxushotel. Die Sternezahl sagt Ihnen, wie gut Zimmer, Rezeption und Restaurant aufgestellt sind. Wie viel Platz Sie im Ruheraum haben, ob es ein Dampfbad gibt oder wie viele Massagen das Haus anbietet, sagt sie nicht. Wer eine große Saunawelt sucht, filtert besser gezielt nach Wellnesshotels mit Saunalandschaft.

Was der .guide Score stattdessen bewertet

Genau diese Lücke war der Anlass für den .guide Score von wellnesshotel.guide. Laut unserer Methodik fließen fünf Kategorien mit fester Gewichtung ein. Die größte ist Spa und Wellness mit 30 Prozent: verhältnisbasiert, also Spa-Fläche pro Zimmer, Liegen pro Gast und Räume pro 100 Gäste, dazu Vielfalt des Behandlungsangebots, Therapeutinnen und Therapeuten und ob das Angebot öffentlich einsehbar ist.

Die Sterne spielen trotzdem eine Rolle: Sie gehören in der Kategorie „Bewertungen und Service“ (25 Prozent) zum Service-Niveau, neben Personalquote und Sprachen. Dazu kommen Hotel und Zimmer, Kulinarik und Nachhaltigkeit. Fehlende Angaben zählen als null Punkte. Kein Kriterium lässt sich kaufen, bezahlte Platzierungen sind als „Gesponsert“ gekennzeichnet und verändern den Score nicht. Veröffentlicht wird der .guide Score als Tropfen und als Zahl auf der Skala von 80 bis 100.

Zwei Häuser mit gleich vielen Sternen können deshalb sehr unterschiedlich abschneiden. Umgekehrt kann ein gut ausgestattetes Vier-Sterne-Haus mit großzügigem Spa vor einem Fünf-Sterne-Stadthotel liegen.

So nutzen Sie Sterne bei der Hotelwahl

  1. Sterne als Untergrenze für Zimmer und Service lesen, nicht als Spa-Qualität.
  2. Prüfen, nach welchem System klassifiziert wurde: Hotelstars Union in DE, AT und CH, Landesregeln in Südtirol, Regionalregeln im übrigen Italien.
  3. Superior-Hotel und Superior-Zimmer auseinanderhalten.
  4. Beim Spa auf Fläche, Saunaarten, Ruheräume und die Behandlungsliste achten.
  5. In der Schweiz zusätzlich auf eine Wellness-Spezialisierung achten.

Wer das Beste aus beiden Welten sucht, also hohe Sterne und ein großzügiges Spa, findet eine Auswahl in unseren Listen für Österreich, Deutschland und die Schweiz oder direkt unter den Luxus-Wellnesshotels.

Häufig gestellte Fragen

  • Superior kennzeichnet Häuser, die deutlich mehr Punkte erreichen, als ihre Sternekategorie verlangt. Nach der Hotelstars Union braucht ein 4-Sterne-Superior-Hotel 610 Punkte, so viel wie ein Fünf-Sterne-Haus, muss aber nicht alle Pflichtkriterien der fünf Sterne erfüllen.

  • Nicht generell. Es erreicht die Punktzahl eines Fünf-Sterne-Hotels, erfüllt aber nicht alle dessen Mindestkriterien. Für einen Wellnessurlaub kann es trotzdem die bessere Wahl sein, denn das Spa geht in die Sterne kaum ein.

  • Eine Zimmerkategorie, die das Hotel selbst festlegt. Meist ist es größer oder besser ausgestattet als das Standardzimmer. Mit der Superior-Auszeichnung des Hotels hat der Name nichts zu tun.

  • Zwei Sterne stehen nach der Hotelstars Union für ein einfaches Haus, das die Mindestkriterien seiner Kategorie erfüllt und mindestens 180 Punkte erreicht. Ein Spa ist dafür nicht vorgesehen.

  • Nein. In Deutschland ist die Klassifizierung laut Wikipedia freiwillig und für das Hotel kostenpflichtig. Viele gute Häuser verzichten darauf. Fehlende Sterne bedeuten also nicht automatisch schlechte Qualität.

  • Südtirol stuft Betriebe nach eigenem Landesrecht ein. „S“ steht für Superior und ist dort nur für drei und vier Sterne vorgesehen. Die Hotelstars Union gilt in Italien nicht.

  • Kaum. Sauna, Pool und Behandlungsräume sind im europäischen Sternekatalog nur freiwillige Zusatzpunkte. Ob ein Haus ein großes Spa hat, müssen Sie gesondert prüfen, zum Beispiel über den .guide Score.